144. Georg Magnus Sylvester


001 - 002 - 014 - 029 - 054 - 069 - 096 - 144
Sohn des Georg Hermann Joachim v. Freymann (Nr. 96) und seiner Gattin Caroline Louise (Lilly) v. Lobry, geboren am 31. Dezember 1870 auf Abia (Kreis Pernau, Kirchspiel Hallist).




Georg Magnus Sylvester (Nr. 144)

Privatgymnasium zu Dorpat nebst zwei Vorklassen 1880-89; Abiturium 1889; Jurastudium an der Dorpater Landesuniversität 1890-95, seit dem Landsmann der Korporation Livonia, Hauslehrer 1895-96; juristisches Staatsexamen in Dorpat 1897; Justizamtskandidat am Wilnaschen Bezirksgericht 1897-98; bevollmächtigter Syndicus der Stadt Fellin, auch am Stadtwaisengericht 1898-1917; Gleichzeitig im Landesdienst: ritterschaftlicher Translateur 1898-1915, Geschäftsführer der livländischen Katasterkommission (Kreis Fellin), dann der Wegebaukapitalverwaltung für den Fellinschen Kreis; Assessor (Mitglied) nobilis des Pernau-Fellinschen Oberkirchenvorsteheramts (Verwaltungsgericht ehrenamtlich) und Mitglied der Pernau-Fellinschen Kreislandschulbehörde (ehrenamtlich) 1911-1918; Assessor (Mitglied) der Pernau-Fellinschen Adeligen Vormundschaftsbehörde (ehrenamtlich) 1914-1918; Glied, dann Präses des Kirchencollegiums der St. Johanniskirche in Fellin (ehrenamtlich); während der Zeit des Bestehens des deutschen Vereins in Livland 1906-1914 geschäftsführender Direktor der Ortsgruppe Stadt und Land Fellin dieses Vereins (ehrenamtlich); Direktor, dann Präses der Felliner Leih- und Sparkasse bis 1918; zeitweilig auch an der Fellinschen Sterbekasse (ehrenamtlich); Vorstandsmitglied, dann Präses der Felliner literarischen Gesellschaft 1899 beziehungsweise 1905-1918 (ehrenamtlich), Ehrenmitglied dieser Gesellschaft: 5. Januar 1920.

Ordnete von 1900-1914 das Alte Fellinsche Stadtarchiv (ehrenamtlich). Durch die Kerenski-Revolution gemeinsam mit der deutschen Fellinschen Stadtverwaltung aus den städtischen Ämtern gewaltsam verdrängt 1. April 1914; Rechtsanwalt in Fellin 1917, nach Sibirien (Krasnojarsk) mit zahlreichen Gesinnungsgenossen als Geisel verschleppt im Januar 1918. Mit Inkrafttreten des Brester Friedens befreit und nach Fellin zurückgekehrt am 1. Mai 1918; deutscher Friedensrichter in Fellin 1918; Abgabe des Amtes an die estnische Regierung am 29. November 1918; Flucht aus Fellin über Riga und Likau nach Deutschland (Stettin): 4. Dezember 1918 bis 13. Januar 1919; Neu Strelitz 26. Februar 1919, Erwerb der Mecklenburg-Strelitzschen Staatsangehörigkeit; Geschäftsführer im Baltischen Vertrauensrat in Berlin seit 1. November 1919, geschäftsführendes Mitglied des Adelsrats des livländischen Adelsverbandes: Juni 1926; ständiger Mitarbeiter an der Monatsschrift für das Recht der osteuropäischen Staaten "Ostrecht" (Berlin, Carl Heymann Verlag, Berlin W. 8, Mauerstraße 44), seit April 1927 an der "Zeitschrift für Ostrecht".

Literarisch tätig: Arbeiten aus dem Fellinschen Stadtarchiv in den Jahresberichten der Fellinschen Gesellschaft: "Kurzer Abriß aus der livländ ischen Geschichte" von Dionysius Fabricius, Übersetzung aus dem Lateinischen von Georg und Karl v. Freymann (1896-99); "Felliner Bürgerbuch" (1900-01) und ergänzende Notizen dazu (1905-06); Urkunde "Felliner Stadtwappen" (1902/04); "Die Restitution der Felliner Privilegien" (1902/04); "Materialien zu einer Bevölkerungsstatistik der Stadt Fellin im 18. und 19. Jahrhundert" (1905-06); Bericht zur Frage betreffend die St. Katharinen Kapelle in Fellin (1907-08), hierzu K. v. Löwis: Über die Freilegung der Überbleibsel dieser Kapelle ebenda, S. 1 ff; " Überreste des mittelalterlichen Fellin" (1912-17). "Urkunden und Aktenstücke aus dem Felliner Stadtarchiv 1481-1889" (1912-17); u. a.

Juristische Arbeiten unter anderem in der Monatsschrift für das Recht der osteuropäischen Staaten "Ostrecht" (Berlin, Verlag Carl Heymann), dann in der Zeitschrift für das Ostrecht im gleichen Verlage.

Durch die politischen und nationalen Umwälzungen in der Heimat war Georg Magnus Sylvester v. Freymann ganz mittellos geworden. Er hatte wie die meisten seiner Landsleute nicht nur die dort innegehabten Stellungen und zu zwei Dritteln bereits verdiente Pension verloren, sondern auch sein selbsterworbenes und durch Erbschaft ihm zugefallene Vermögen eingebüßt. Die Ausführung seines von Jugend auf verfolgten und nun der Verwirklichung nahen Planes, das auf Nursischem Boden gegründete und in der vorigen Generation in fremde Hände übergegangene alte Familiengut Quellenhof (Kreis Werro, Kirchspiel Rauge) zurückzuerwerben, wurde dadurch unmöglich, ebenso aber auch dadurch, daß die Rittergüter von der estnischen Regierung sämtlich enteignet wurden.

Seit dem 6. Januar 1900 ist Georg Magnus Sylvester mit Mia Margarethe Körber verheiratet, geboren am 30. Juni 1880 in Fellin als Tochter des Landgerichtsassessors (Rats) Johannes Emanuel Körber und dessen Gattin Helene Scholer.

Im Januar 1918 wurde auch sie, gleichzeitig mit ihrem Gatten, von estnischen Bolschewisten arrestiert und mit zahlreichen Gesinnungsgenossen zuerst in Fellin, dann in Reval im sogenannten "Minenschuppen" gefangen gehalten, beim Anrücken der deutschen Truppen aber wegen Mangels an Waggons gleich ihren Leidensgefährtinnen freigelassen, während die in der Turnhalle (früher im Elevator) in Reval gefangenen Herren, darunter ihr Gatte, weiter nach Sibirien (Krasnojarsk) verschleppt wurden.

Georg Magnus Sylvester v. Freymann verstarb im April 1946 in Berlin.

Dieser Ehe ist eine Tochter entsprossen


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