2. Carl Otto


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Geboren 166X in Livland als Sohn des Johann v. Freymann (Nr. 1), Ritter ("Ryttare").




Carl Otto (Nr. 2)

Sein Leben fällt in die Zeit des großen nordischen Krieges, an dem er als schwedischer Offizier teilnimmt. Am 22. März 1685 wird er Leutnant im v. der Pahlenschen (später Tiesenhausenschen) Livländischen Kavallerieregiment. Er scheint einen Zweikampf mit dem Fähnrich Claus Ludwig Priauda gehabt zu haben und deswegen vom Oberfiscal belangt worden zu sein. Zur Livländischen Adelsfahne übergeführt, wird er am 27. Juni 1700 bei dieser zum Rittmeister befördert (bestätigt am 23.1.1701) und am 6. August 1701 dann zum Generaladjutanten bei der Schlippenbachschen Armee ernannt. Hier avancierte er am 10. Oktober desselben Jahres zum Oberstleutnant im Scheiterfeldtschen Dragonerregiment (bestätigt am 8.7.1705). Im Dezember 1701 nimmt er an der unglücklichen Schlacht bei Errestfer teil, in der die kleine Schar der Schweden von der russischen Übermacht aufgerieben wird.

Am 24. Mai 1703 bescheinigt er (zu Orrisal) dem Baronen Ungern-Sternberg den Empfang eines Paßdienstreiters (Jürgen Johann Quiberg mit Namen) zum Regiment für Sommerpahlen. Im selben Jahre gelingt es ihm, eine Brücke, welche die Russen bei Wichts über die Narve geschlagen hatten, zu zerstören und dadurch den Feind an der vorbereiteten Überschreitung der Narve für diesmal zu hindern.

Im Winter 1705/06 nimmt Carl Otto an der Belagerung Dorpats, das damals schon in russischen Händen war, teil und unternimmt glückliche Vorstöße nach Petschur und Pleskau hin.

Bey sogestaltem glücklichen Success der schwedischen Waffen hatten - wie der Chronist Kelch berichtet - nun die Liefländischen Provinzen ziemlich Ruhe, maßen die Reussen alle ihre Macht nach Litthauen und Kurland geführt hatten und soviel sie aus den Festungen entraten konnten, immer dahin scheffeten; da dann unsere Reuter nicht nur die Stadt Dorpat noch immer gesperret hielten, sondern es thaten auch dann und wann der Oberstleutnant Freymann und der Major Freudenfeldt ziemlich glückliche Parteyen nach Petschur und Pleskau hin.

Nach der Schlacht bei Gemauerthof und der Besetzung Kurlands - so erzählt Bienemann in seiner "Katastrophe der Stadt Dorpat" - war Lewenhaupt endlich im Stande, auch seinerseits etwas für Livland zu tun. Glaubte er auch von seinen Truppen nicht mehr als einige Schwadronen entmissen zu können, bloß etwa 1500 Mann kommandierte er ab, so zeigte sich doch sehr bald, wieviel verhältnismäßig schon diese geringe Mannschaft auszurichten vermochte. Anfang November tauchten die schwedischen Reiter auf zwei Seiten zugleich an den Grenzen des russischen Occupationsgebietes auf. Die eine Abteilung unter Oberstleutnant Freymann streifte weit ins Marienburg'sche hinein, so daß Naryschkin bereits einen Überfall des Klosters befürchtete ...

Inzwischen bewegten die schwedischen Dragoner sich ungefährdet hart unter den Wällen Dorpats - fährt Bienemann in seiner Erzählung fort - Oberstleutnant Freymann war aus dem Marienburg'schen heraufgezogen, ebenfalls ringsumher Vieh und Proviant requirierend. Am 14. Dezember im Dunkel des Winternachmittags rückte er auf dem Postkutschenwege an Bopkoi vorbei bis dicht unter die Palisaden der Stadt, zog dann etwas weiter nach Süden, um nur drei Meilen entfernt, bei Wrangelshof, Purto zu fassen. Im Westen hielt indessen Oberst Brockhausen den Pernauschen Weg besetzt, und weit umher nach allen Seiten schwärmten seine Dragoner aus; am 21. Dezember kamen sie bis auf eine Werst an die Stadt heran, so daß die Russischen Wachtposten eingezogen werden mußten. Naryschkin scheint in jener Zeit sogar nichts geringeres als einen kecken Handstreich befürchtet zu haben: Er ließ die Wälle bei Frostwetter mit Wasser begießen ...

So blieb die Stadt und die russische Besatzung den ganzen Winter hindurch von außen abgesperrt. Rings umher schwärmten leicht beweglich die schwedischen Reiter und suchten nach Möglichkeit jegliche Zufuhr abzuschneiden, die dorthin bestimmten Proviante abzufangen ...

Der Chronist Kelch erzählt, daß

weder aus Livland, noch aus Rußland etwas habe hineingebracht werden können; wenigstens zum Frühling hin war tatsächlich bei der Garnison Proviantmangel eingetreten ... Als die Russen im März Kurland verließen und Lewenhaupt es wieder besetzte, berief er seine Reiter aus dem Dörptschen wieder ab.

Aus dieser Zeit liegen mehrfach Berichte Carl Ottos v. Freymann, ebenso ein Bericht des Obersten Hermann v. Burghausen vor, die über die Tätigkeit Carl Ottos, wie auch über die Lage der Truppen vor Dorpat, im Besonderen ihre schwierige Verpflegung im verwüsteten Lande, ein anschauliches Bild geben. Im Begriff, aus Walguta nach Tawelecht zu marschieren, berichtet Oberst v. Burghausen am 20. März 1705 an den Ökonomiestatthalter estnischen Distrikts Adolph Stroemfeld zu Ternau, daß Oberstleutnant Carl Otto v. Freymann und der Major Freudenfeldt mit ihren Detachements unter den Kanonen von Dorpat agiert und wenigstens 20 Vorposten niedergemacht hätten, wovon 17 nach Riga abgesandt worden, außerdem hätten sie mehrere 100 Stück Vieh bei Rotkowa und Lunie erbeutet und unter die Truppen austeilen lassen. Am 22. Dezember 1705 steht Carl Otto in Conajer, um seine Truppen aus dem unter russischer Occupation gelegenen Gebiete zu verpflegen. Im Begriff, nach Dorpat aufzubrechen, berichtet er am genannten Datum an den Ökonomiestatthalter lettischen Distrikts Michael v. Strokirch in Riga unter anderem:

Sonsten gehet mein Marsch wieder von hier nach Dorpat zu, und werden wir allem ansehen nach ein betrübtes und mühsames Weihnachten haben, dennoch weil Ihre Majestät Dienst solches erfordert, muß man sich darin schicken, und sich nicht verdrießen lassen; Gott gebe nur glücklichen Success von allen Unternehmungen und desseins. Auf Cawelecht wird unser Rendezvous seyn, ich besorge aber, daß die ermangelnde Subsistence uns bald wieder auseinanderjagen werde; In Rußland soll dem Gerücht nach nicht viel Volk seyn und Respect tragen; einige hingegen spargieren, daß er über Hals und Kopf Success bey Petschur zusammen bringe und sich damit gegen uns zu setzen resolviret sey; die Zeit wird alles lehren ...

Am 27. Dezember 1705 berichtet Carl Otto aus Cawelecht an den Ökonomiestatthalter lettischen Distrikts Michael v. Strokirch in Riga unter anderem:

Zu dem werde ich mich aus Mangel der Subsistence in Gottes Nahmen resolvieren müssen, wieder ein Turthey in Rußland auf mich zu nehmen; wie ich denn heute als den 28. dahin aufbreche und marschiere; Heu ist hier abondant, und wenn ich mit dem Regiment separieret geblieben wäre, möchte ich noch wohl zu einer kleinen Provision auch Rath und Mittel geschafft haben; Haber ist aber nicht hier zu finden, sondern vor unserer Ankunft nebst dem Proviant nach Dorpat gebracht worden, und wäre man glücklich gewesen, wenn man mit der ersten Partey, so der Herr Major Freudenfeldt hier lange Zeit gehabt, gleich ins Land gerücket, und den eingesammelten Vorrat weggeführet hatte. Nunmehr aber ist es zu späthe, und müssen wir das betrübte Nachsehen haben; Vom Feinde ist es sonsten hier noch stille, außer daß wir von Narvischen und Curländischen Seiten uns für einer starcken Visite mitten in den heiligen oder nach vollbrachten Wassertauffen befürchten ...

Nachdem Lewenhaupt im März 1706 seine Reiter von Dorpat abberufen hatte, finden wir am 23. Mai 1706 Carl Otto in Kreutzburg, von wo er am genannten Datum an den Ökonomiestatthalter Michael v. Strokirch in Riga unter anderem meldet:

... ich beklage sehr, daß die Zögischen Dragonerpferde von dem bisherigen bey so starcker Hitze gethanen Marsch dergestalt fatiguieret, und großentheils gedrücket seyn, daß man so baldt nicht einige Dienste von ihnen hier hoffen kann, so bald sie aber ein wenig refraichieret, und ich von des Feindes contenance durch getreue spiones und von deren force Nachricht habe, werde ich doch suchen mit göttlicher hülfe eins zu wagen, und zu des Feindes delogement mein Bestes gebrauchen; Bey Polork und Drujen soll sich auch noch eine stärckere Partey weisen, ich bin dagegen in diesem lande gantz mit Wasser umringelt, und dürfte dies nicht wohl bekommen, wenn man sich retirieren sollte, wobey mir nicht wohl gefällt, daß ein großtheil der zögischen Dragoner ohne Gewehr, welche instrumenta - fügt Carl Otto mit grimmen Humor hinzu - in einer Campagne höchst nötig ...




Dorothea Elisabeth, geb. v. Uexkuell (siehe Nr. 2)

In der verhängnisvollen Schlacht bei Poltawa am 28. Juni 1709 gerät Carl Otto dann, gleich unzähligen seiner Landsleute, in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst im Juni 1718 in die Heimat zurückkehrt. Hier kommt er um den Abschied aus schwedischen Kriegsdiensten ein, der ihm am 27. Oktober 1722 unter Beförderung zum Oberst gewährt wird. Am 27. Juni 1721 zum Livländischen Landrat gewählt, widmet er dann die letzten Jahre seines ereignisreichen Lebens dem Dienste seiner verwüsteten Heimat.

Von seinem Vater, Johann v. Freymann (Nr. 1), hatte Carl Otto das Gut Schreibershof geerbt, das er jedoch am 4. Januar 1727 seinem Bruder, dem Generalmajor Reinhold Johann v. Freymann (Nr. 6) abtritt. 1719 wohnt er auf Planhof (Kreis Walk, Kirchspiel Trikaten). Am 6. März 1688 hatte Carl Otto sich mit Katharina Elisabeth v. Rothausen, Tochter des Dörptschen Landgerichtassessors Joachim v. Rothausen auf Köllitz und Nursie und dessen Gattin Wendula v. Helmersen, vermählt, die ihm das Gut Nursie (Kreis Dorpat, später Werro, Kirchspiel Rauge) zubringt, das dann das Stammgut der Familie wird. Katharina Elisabeth v. Rothausen stirbt 1700 und wird am 16. Oktober desselben Jahres in Dorpat zur Ruhe bestattet. Carl Otto heiratet in zweiter Ehe die Witwe Sophie v. Plater, in dritter am 11. Juli 1718 in dritter Ehe mit Dorothea Elisabeth v. Uexküll, verwitwete v. Knorring.

Er stirbt am 16. November 1729. Seiner ersten Ehe mit Katharina Elisabeth v. Rothausen sind folgende Kinder entsprossen:

Aus zweiter Ehe stammt seine Tochter


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