201. Ingrid Charlotte


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Tochter des Otto Nikolai Julius Samuel v. Freymann (Nr. 165) und dessen Gattin Hildur Neovius, geboren am 20. Juli 1887 in Brakila bei Fredrikshamn in Finnland

Nachdem sie ihre Schulbildung anfangs in Fredrikshamn (Samskola, 1894-1901) und dann in Helsingfors (1902-1906) erhalten, erteilte sie in den Jahren 1906-1907 Privatstunden und arbeitete dann 1907 bis 1912 in der Lebensversicherungsgesellschaft Kaleva in Helsingfors. Seit dem 22. Dezember 1912 war sie mit Baron Hans Henrik Gripenberg vermählt, geboren am 29. Juni 1882 als Sohn des Senators Baron Sebastian Odest Gripenberg.

Nachdem Hans Baron Gripenberg in den Jahren 1900-1904 am Polytechnikum (technische Hochschule) in Helsingfors studiert und diese 1904 als Maschinenbauingenieur beendet hatte, hatte er Schiffsbaukunde in Glasgow studiert und war dann 1907 als Lehrer an die Industrieschule in Åbo in Finnland berufen und 1912 zum Lektor für Schiffsbaukunde ernannt worden. Neben seinem noch innegehabten Lehramt war er auch praktisch in seinem Fache tätig. Ingrid Charlotte ist auch nach ihrer Verheiratung ihrem Beruf treu geblieben und erteilte in Åbo Privatstunden.

Thelma v. Freymann (Nr. 222) schreibt über sie: "In ihrer Kindheit war sie mollig und trug so fürs Leben - zweifellos aus dem Munde des Bruders - den Spitznamen "Dickus" davon. Sie war nicht nur das Pummelchen in der Familie, sie war auch das Dummchen. Schwach in Mathematik und nicht so musikalisch, daß es für das Prädikat "begabt" gereicht hätte, galt sie als lieb und unbedeutend; niemand nahm sie ganz ernst, und sie wurde häufig Zielscheibe des erbarmungslosen neoviusschen Humors, der zumal bei meinem Vater stark ausgeprägt war. Dem lag natürlich keine böse Absicht zugrunde, niemand dachte sich viel dabei, aber ich habe mich so manches Mal, wenn ich einschlägige Geschichten hörte, gefragt, wie Ingrid sich wohl als "Letzte" in dieser Familie fühlte. Sie machte nicht einmal Abitur! Der beste Freund meines Vaters, Hans Baron Gripenberg, führte sie heim, und die Ehe wurde überaus harmonisch. Beide wollten viele Kinder; sie bekamen aber keine.

Ingrids große Stunde schlug, als sie schon 31 Jahre alt war und nur noch ein leerers Frauenleben vor sich sah. Finnland wurde am Ende des Freiheitskrieges selbständig. Da verwandelte sich mit einem Mal das häßliche Entlein vor den Augen der staunenden Familie in einen Schwan, herrlicher als alle drei Schwestern. Ingrid, das "Dummchen", erwies sich als ein organisatorisches und sozialpädagogisches Genie. Ohne dafür die Spur von Ausbildung zu haben, baute sie mit ebensolchen Mitarbeitern die Jugendarbeit für Mädchen landesweit auf, und das in solcher Qualität, daß sie in meiner Kindheit quer durch alle Sozialschichten eine Art nationale Kultfigur war."

Ihr wurden die Freiheitsmedaille 1. Klasse, das Freiheitskreuz 4. Klasse und der Orden der Finnischen Weißen Rose verliehen. Ihrem Mann wurden das Freiehitskreuz 4. Klasse verliehen und er wurde zum Ritter 1. Klase des Ordens der Finnischen Weißen Rose ernannt.

Ingrid Charlotte starb am 29. Dezember 1966 in Turku und wurde in Helsinki begraben.


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