29. Otto Friedrich


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geboren am 5. Juni 1726 als Sohn des Carl Johann (Nr. 14) und dessen Gattin Anna Christina v. Reutz.

Nachdem er auf den Universitäten Königsberg und Göttingen juristische Studien ablegte, kehrte er in die Heimat zurück, wo er als Ordnungsgerichtsadjunct des Dörptschen Kreises in den Landesdienst trat.

Bis zu seinem bereits 1761 erfolgenden Tode verblieb er mit seinen zahlreichen Geschwistern im ungeteilten Besitz des väterlichen Gutes Nursie, das er - ebenso wie das Stammgut seiner Gattin Kioma (Kreis Dorpat, später Werro, Kirchspiel Pölwe) - bewirtschaftete. Seinen Wohnsitz hatte er auf Kioma, wo er im Januar 1761 im Alter von 34 Jahren verstarb.

Am 30. Dezember 1756 vermählte er sich mit Anna Margarethe v. Plater, geboren am 5. Januar 1733 als Tochter des schwedischen Rittmeisters Fabian Friedrich v. Plater auf Kioma und Tödwenshof und dessen Gattin Charlotte Euphorine v. Tiesenhausen, welcher Ehe drei Söhne entsprossen:

Während die zahlreichen Geschwister zu Lebzeiten ihres Bruders Otto Friedrich in gemeinsamen Besitz des Stammgutes Nursie verblieben waren, schien es nach dessen Ableben doch durch die Umstände geboten, zur Teilung zu schreiten. Dem einmütigen Sinn der zahlreichen Miterben und nicht zum wenigsten der Tatkraft der Witwe Otto Friedrichs, Anna Margarethe, ist es zu danken, wenn es dabei gelang, das Stammgut der Familie zu erhalten. Indem das Gut Nursie von 9 3/8 Haken auf 18000 Rubel billig geschätzt und dementsprechend die Anteile der drei Brüder und elf Schwestern berechnet wurden, wurde mittels Familientransakt vom 26. April 1761 bestimmt, das Gut in zwei gleichwertige Hälften - Alt- und Neu-Nursie - zu teilen, wobei über den Naturalbesitz der einen und der anderen Hälfte zwischen Ludwig Eberhard (Nr. 43) und den Erben des verstorbenen ältesten Bruders Otto Friedrich - nämlich seiner Witwe und ihren unmündigen Kindern - das Los entscheiden sollte.

Wann aber Eingangs erwähnte Maßen - heißt es dann im Transakt vom 26. April 1761 - die Absicht bey allen diesem ist, daß das Gut Nursie auf keinerley Weise von der Freymannschen Familie solle abalieniert, sondern dabey auf alle Art und Weise conserviert werden; es aber sich zutragen und itzo nicht zum Voraus zusehende Umbstände sich ereignen könnten, daß entweder die verwitwete Frau von Freymann und ihre Kinder, ihre Nursische Hälfte, oder auch d. M. Cadette Ludwig Eberhard v. Freymann seine Hälfte verkaufen wollte, oder dazu genötigt wären: so ist ausdrücklich abgemacht und feste gesetzt worden, daß bey existierenden einem solchen Vorfall, der jetzige ältere Bruder M. Jacob Johann v. Freymann (Nr. 39) das Väterrecht von eben der Summe, wozu das Gut Nursie wardieret worden, welche Hälfte also verkaufet würde, vor 9000 Rubel antreten und erblich behalten; wenn aber eine oder die andere Hälfte an einem frembden käme, und höher als 9000 Rubel verkauft würde, alle übrigen Miterben in den Überschusse quotative praticipieren sollen; jedoch daß diese Bedingung sich nicht weiter als auf Lebzeit der jetzigen Transigenten extendiere.

Es lag also der ausgesprochene Wille aller Miterben vor, das alte Stammgut vor Unbilligkeiten zu bewahren und unlöslich an die Familie zu binden. In dauernder Verwirklichung dieser Absicht hätte sie in feste Form gebracht und dem Gute Familienfideikommißcharakter beigelegt werden müssen.

Die beiden Brüder Jacob Johann (Nr. 39) und Ludwig Eberhard (Nr. 43) befanden sich damals in St. Petersburg, wo sie im Cadettencorps erzogen wurden. So ward denn die Teilung des Gutes der Witwe des verstorbenen ältesten Bruders Otto Friedrich übertragen, die sich - unter Beihilfe ihres Bruders und Kurators, des Leutnant Fabian v. Plater auf Tödwenshof (Kreis Dorpat, später Werro, Kirchspiel Pölwe) dieser bedeutende wirtschaftliche und geschäftliche Fähigkeiten erfordernden Aufgabe mit Geschick und zu allseitiger Zufriedenheit entledigte.

Anna Margarethe v. Plater, welcher der Naturalbesitz der einen Nursischen Hälfte zugefallen war, übernahm durch Vertrag vom 27. April 1761 und dann vom 26. April 1763 die andere Hälfte von Nursie in Arrende und machte sich unverzüglich an die Lösung der ihr gewordenen Aufgabe. Bereits am 24. November 1765 konnte die vollzogene Teilung von den Interessenten geprüft und gebilligt werden. Am selben Tage fand dann die Lösung statt, durch die Alt-Nursie den Erben des verstorbenen ältesten Bruders Otto Friedrich - d. h. seiner Witwe Anna Margarethe und ihren unmündigen Söhnen - und Neu-Nursie Ludwig Eberhard (Nr. 43) zufiel.

Nachdem Anna Margarethe dann Alt-Nursie noch 15 Jahre in eigener Bewirtschaftung behalten und die drei Söhne zu Männern erzogen hatte, transigierte sie 1780 mit ihnen und, als dieser Transakt beim Brande von Alt-Nursie vernichtet worden, nochmals am 12. März 1790 (corr. am 30. August 1809), zufolgedessen ihr ältester Sohn Carl Ludwig (Nr. 53) Alt-Nursie für 24000 Rubel übernahm (siehe Nr. 39, 43, 53, 54, 55).

1789 erlebte sie den Brand von Alt-Nursie, 1793 verlor sie ihren ältesten Sohn Carl Ludwig, 26 Jahre alt, 1799 auch den zweiten Sohn Gerhard Magnus (Nr. 54), vierzig Jahre alt. Den Abend ihres arbeits- und ereignisreichen Lebens verbrachte sie bei ihrer Schwiegertochter Gerdrutha Christina v. Freymann geb. v. Freymann, der Witwe ihres zweiten Sohnes Gerhard Magnus, in deren Hause sie am 16. Januar 1800 verschied.


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