67. Ferdinand Otto Ludwig


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Sohn des Carl Ludwig Friedrich v. Freymann (Nr. 53) und seiner Ehegattin Ernestine Elisabeth geb. v. Freymann, geboren zu Alt-Nursie am 28. Januar 1792.




Ferdinand Otto Ludwig (Nr. 67)

Sein Vater Carl Ludwig Friedrich starb bereits 1794, Ferdinand Otto Ludwig und seine erst 1793 geborene Schwester Katharina (Nr. 68) der Obhut ihrer Mutter Ernestine Elisabeth geb. v. Freymann aus Waimel-Neuhof zurücklassend, der dann Christer Ludwig v. Freymann (Nr. 61) auf Rauge und Johann Philipp v. Roth als Mitvormünder zugeordnet wurden.

Um 1797 ging seine Mutter Ernestine Elisabeth mit ihrem Schwager Otto Reinhold v. Freymann (Nr. 55), dem jüngsten Bruder des verstorbenen ersten Mannes, eine zweite Ehe ein. Otto Reinhold v. Freymann, dessen erste Gattin Juliane (Julie) Jacobine v. Stackelberg 1795 gestorben war, verpfändete sein Gut Igast (Kreis Dorpat, Kirchspiel Theal-Fölck) auf 96 Jahre und siedelte auf das Gut Alt-Nursie (Kreis Werro, Kirchspiel Rauge) über. In der großen Schar der Kinder Otto Reinholds aus erster und zweiter Ehe, zu denen sich noch drei Vettern Magnus Otto Ludwig (Nr. 69) und Alexander Wilhelm v. Freymann (Nr. 70), sowie Ferdinand v. Wrangel gesellten, verlebte Ferdinand Otto Ludwig eine frohe Jugendzeit. Der Obhut eines Hauslehrers, des rationalistischen Theologen cand. Gnuechtel anvertraut, bewohnten die Knaben ein besonderes Häuschen auf der Pferdekoppel von Alt-Nursie, wo die freien Stunden zu kühnen Ritten und ähnlichen Übungen benutzt wurden. Gründlich vorgebildet entschied sich Ferdinand Otto Ludwig dann - abweichend von der Tradition der Familie und seinen Interessen folgend - für eine wissenschaftliche Laufbahn. Nachdem er in den Jahren 1810-15 an der neugegründeten Landesuniversität Dorpat juristische und theologische Studien betrieben hatte, hörte er in den Jahren 1818 bis 1821 an den Universitäten Berlin, Leipzig, Königsberg philosophische Vorlesungen. Seit dieser Zeit gehörte er dem schöngeistigen Kreise Elisas v. der Recke an. Eine innige Freundschaft verband ihn mit dem Partheyschen Hause in Berlin. 1821 wurde er Lehrer am Gymnasium in Marienwerder, 1822 am Stack-Gymnasium zu Königsberg und wurde im August als wissenschaftlicher Lehrer an das Rigasche Stack-Gymnasium berufen, wo er (nach Renningers Tode) 1826 Oberlehrer der griechischen Grade wurde. 1830 als Oberlehrer an das "Gymnasium illustre" nach Mitau berufen, war er hier die letzten sechs Jahre seines kurzen Lebens tätig. Schon am 14. Oktober 1836 erlag er hier im 45. Lebensjahre einem langjährigem Lungenleiden. "Er war ein redlicher, rechtschaffener Mann, reich an Gedanken, klar in Ansichten, unbesorgt, sich rücksichtslos zu äußern und wohlwollend in seinen Gesinnungen" hieß in dem ihm gewidmeten Nachruf der Mitauer Zeitung. An Schriften ist von ihm, außer einem Programm philosophischen Inhalts, eine Schrift pädagogischen Inhalts "Über das Haus, wie die Schule es liebt" verfaßt worden.




Auguste, geb. Knorre (siehe Nr. 67)

Ferdinand Otto Ludwig war mit Auguste Knorre, der Tochter eines Königsberger Professors, verheiratet. Ihre Persönlichkeit wird von Fr. v. Brackel in seinen Erinnerungen folgendermaßen beschrieben:

Zu den häufigsten Besuchern meiner Eltern gehörte ein Ehepaar v. Freymann. Der Mann war ein Vetter meines Vaters und - was damals wohl eine Ausnahme war - altklassischer Philologe und Oberlehrer der griechischen Sprache am Gymnasium ... Die Frau des Oberlehrers v. Freymann war eine Königsbergerin, die Freymann während seiner Universitätsjahre in Königsberg kennen und lieben gelernt hatte. Sie verdiente seine Liebe und die Verehrung des ganzen Verwandtenkreises in Riga und Livland, denn sie war reinen Herzens, liebenswürdigen Gemüths, geistreich und gründlich fein gebildet. Sie war nicht hübsch, aber sympathisch und besaß eine herrliche Stimme, die vortrefflich ausgebildet war. Waren die Freymanns bei uns bei meinen Eltern zum Thee, dann sang uns Kindern die liebe Tante Auguste mit ihrem glockenreinen Sopran köstliche deutsche Volkslieder vor, so unter anderem das reizende Kinderlied: ``Buko von Halberstadt, bring für die kleinen Kinder was mit'' etc. - Tante Auguste Freymann und meine Cousinen Marig und Betsy Vegesack ... versäumten nie, der alten Susanne zu helfen, uns Kinder zu Bette zu bringen, wobei es immer sehr lustig herging.

Durch Vertrag vom 5. Mai 1791 hatte Ferdinands Vater, Carl Ludwig Friedrich (Nr. 53), seinem jüngeren Bruder Gerhard Magnus (Nr. 54) die Alt-Nursische Hoflage Quellenhof verkauft, die dann als selbständiges Rittergut von Alt-Nursie abgeteilt werden sollte. Als jedoch 1793 Carl Ludwig Friedrich v. Freymann und 1799 sein Bruder Gerhard Magnus verstorben waren, ohne daß eine grundbuchmäßige Abteilung Quellenhofs bisher stattgefunden hatte, fühlte Gerhard Magnus Witwe, Gerdrutha Christina geb. v. Freymann (Nr. 58) sich veranlaßt durch Vertrag vom 2. April 1800 Quellenhof den Erben Carl Ludwig Friedrichs für 9000 R. S. wieder abzutreten. Nach dem frühen Tode seiner Schwester Katharina (Nr. 68) war Ferdinand Otto Ludwig der einzige Erbe seines Vaters, dem das ganze Gut Alt-Nursie mit Einschluß Quellenhofs zufiel und dessen offizielle Ausscheidung vom Stammgute dann erst von ihm vollzogen wurde.

Eine wissenschaftliche Laufbahn ergreifend, zedierte Ferdinand Otto Ludwig, in curatorischer Assistenz Baron Ottos v. Ungern-Sternberg, dann Alt-Nursie durch Vertrag vom 2. März 1812 (corr. den 1. Mai 1812) für 19250 R. S. seiner Tante Gerdrutha Christina v. Freymann, geb. v. Freymann und am 15. April 1812 Quellenhof für 13800 R. Bco (davon 800 R. Bco für das Inventar) und 500 R. S. seiner Mutter Ernestine Elisabeth v. Freymann, geb. v. Freymann.

Nachkommen hat Ferdinand Otto Ludwig nicht hinterlassen.


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