69. Magnus Otto Ludwig


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Sohn des Gerhard Magnus v. Freymann (Nr. 54) und dessen Gattin Gerdrutha Christina v. Freymann, geb. v. Freymann, wurde am 15. September 1789 auf dem großelterlichen Gute Neu-Nursie, wo seine Eltern damals wohnten, geboren.

Am 20. September desselben Jahres fand - ebenfalls auf Neu-Nursie - vor zahlreicher Festversammlung die Taufe statt, die durch den damaligen Raugeschen Pastor Peter Friedrich Bornwasser vollzogen wurde. Als sein Vater Gerhard Magnus (Nr. 54) durch Vertrag vom 5. Mai 1791 von seinem Bruder Carl Ludwig Friedrich die von Alt-Nursie abzuteilende Hoflage Quellenhof erwarb, zog er mit Magnus Otto Ludwig und seinem am 20. Oktober 1790 geborenen zweiten Sohn Alexander Wilhelm dorthin über. Schon in den frühen Jugend verloren die Knaben am 3. Dezember 1799 den Vater durch den Tod, ihre Mutter Gerdrutha Christina geb. v. Freymann aber sah sich nun bewogen, dem Wunsche ihrer Schwägerin Ernestine Elisabeth v. Freymann, geb. v. Freymann willfahrend, Quellenhof, dessen grundbuchmäßige Abteilung von Alt-Nursie noch nicht vollzogen war, durch Vertrag vom 2. April 1800 den Erben ihres 1793 bereits verstorbenen Schwagers Carl Ludwig Friedrich v. Freymann auf Alt-Nursie wieder zu zedieren.

Noch in jugendlichem Alter stehend, fühlte sie sich den vielfachen, mit dem Besitz eines Gutes verbundenen Geschäften nicht gewachsen und glaubte, ihre ganze Kraft und Zeit ausschließlich ihren Kindern widmen zu müssen, denen sie eine sorgfältige Ausbildung angedeihen ließ. Sie siedelte nach Werro über und ließ ihre beiden Söhne anfangs hier von dem Lehrer Brinkmann unterrichten, gab sie aber dann zu weiterer Ausbildung nach Dorpat. Dort genoß Magnus Otto Ludwig Unterricht bei dem Kandidaten der Theologie Bernhard Georg Salemann, in dessen Hause er während dieser Zeit als Pensionär untergebracht war. Mit guten Kenntnissen im Lateinischen und Physik ausgestattet, wurde er dann, gleich seinem Bruder Alexander Wilhelm, nach St. Petersburg ins II. Cadettencorps gegeben, wo er am 29. August 1807 aufgenommen wurde, nachdem er bereits am 4. Mai 1806 in der Werroschen Kirche konfirmiert worden war. Auch während ihres Aufenthalts im Cadettencorps blieben Magnus Otto Ludwig und Alexander Wilhelm in engem Zusammenhange mit den Freunden und Verwandten in der Heimat, besonders mit der Mutter, die selbst die weite und damals überaus umständliche Reise nach St. Petersburg nicht scheute, um die Söhne dort zu besuchen.

Nach Absolvierung des Corps wurde Magnus Otto Ludwig am 2. Februar 1809 zum Fähnrich befördert und dem Taurischen Regiment zugezählt, während sein Bruder Alexander Wilhelm als Offizier der 34. Batterie der Artillerie Kompanie zukommandiert wurde. Am 16. August 1810 wurde Magnus Otto Ludwig zum Secondeleutnant des damals in Wilna stehenden Taurischen Grenadierregiments ernannt, in dessen Verbande er auch im Freiheitskriege gegen Napoleon mitfocht. In der Avantgarde (I. abget. Corps des Generals der Kavallerie Grafen Wittgenstein) kämpfte Magnus Otto Ludwig am 19. Juli 1812 in der Schlacht beim Flecken Klaestier, am 20. beim Flecken Sokolewischtsche, am 30. beim Flusse Swolna, am 5. und 6. August bei Polotzk. Erkrankt mußte er zurückbleiben und konnte dem Regiment erst 1813 nach Schlesien nachfolgen, von wo er dann mit dem Unterstabe nach Bialystok zur Formierung des II. Bataillons abkommandiert wurde. Nach Erfüllung des Auftrages nahm er dann mit diesem Bataillon vom 29. August bis zum 19. November 1813 an der Blockade und der Eroberung der Festung Modlin teil. Am 18. August 1814 trat er den Rückmarsch nach Rußland an, um am 12. April 1815 dann wieder über die Grenze durch Preußen, Schlesien, Sachsen und Hessen-Kassel nach Frankreich bis Vestu zu marschieren. Am 10. August 1815 wurde er zum Premier-Leutnant befördert und trat im November desselben Jahres dann den Rückmarsch nach Rußland an.

Nach Beendigung des Krieges nahm Magnus Otto Ludwig v. Freymann am 10. Januar 1816 seinen Abschied aus dem Militärdienst, um sich in der Heimat niederzulassen und seine Braut Juliane Dorothea Henriette v. Budberg, mit der er bereits seit 1814 verlobt war, nun heimzuführen. Während seines Kriegsdienstes hatte seine Mutter, Gerdrutha Christina v. Freymann, Alt-Nursie zu erwerben und das Stammgut der Familie dadurch vor Entfremdung zu bewahren vermocht, das ihr Neffe Ferdinand Otto Ludwig v. Freymann (Nr. 67), die wissenschaftliche Laufbahn ergreifend, im Jahre 1812 veräußern zu müssen glaubte.

Am 21. November 1816 fand die Hochzeit Magnus Otto Ludwigs mit Juliane Henriette v. Budberg statt (geboren am 2. Februar 1795 als Tochter des Otto Jacob Gustav v. Budberg auf Johannishof (= Langensee, Kreis Dorpat, Kirchspiel Kannapäh) und dessen Gattin Charlotte Henriette v. Budberg aus Sennen (Kreis Werro, Kirchspiel Rauge)), die ihn

beschenkte und am 5. Januar 1819 an den Folgen der letzten Geburt starb. Nachdem Magnus Otto Ludwig v. Freymann am 3. Februar 1824 sich in zweiter Ehe mit Caroline Helene v. Stackelberg, geboren am 26. Oktober 1799 als Tochter des Artillerieleutnants und Assessors Carl Andreas v. Stackelberg auf Jevi und dessen Gattin Dorothea Henriette v. Budberg, verheiratet hatte, trat seine Mutter, Gerdrutha Christina geb. v. Freymann, ihm dann am 1. Mai 1825 (corr. am 4. März 1826) das Stammgut der Familie Alt-Nursie ab - während sie das auf nursischem Boden neufundierte Rittergut Quellenhof ihrem zweiten Sohne Alexander Wilhelm übertrug, der nach Beendigung des Freiheitskrieges den Militärdienst gleichfalls quittiert hatte. Die ehemalige Alt-Nursische Hoflage Quellenhof, die Gerdrutha Christina am 2. April 1800 den Erben ihres Schwagers Carl Ludwig Friedrich v. Freymann (Nr. 53) zediert hatte, war von dessen einzigem Sohne und Erben Ferdinand Otto Ludwig v. Freymann (Nr. 67) nach vollzogener formeller Abteilung von Alt-Nursie, am 15. März 1812 seiner Mutter Ernestine Elisabeth geb. v. Freymann abgetreten und aus dem Concurse desselben und ihres Gattin zweiter Ehe Otto Reinhold v. Freymann von der Leutnantin Wilhelmine v. Baranow geb. v. Virgin pfandweise erworben worden, die jedoch ihre Rechte auf das Gut am 6. September 1818 an Gerdrutha Christina abgetreten hatte, der das Gut dann am 20. September 1820 eigentümlich zugeschrieben worden war.

Vor seinem Tode zedierte Alexander Wilhelm v. Freymann (Nr. 70) Quellenhof durch Verträge vom 25. Februar 1827 (corr. am 22. Februar 1837) für den Preis von 15000 R. Bco ebenfalls seinem Bruder Magnus Otto Ludwig, in dessen Händen es dann wieder vereinigt wurde.

Am 23. Januar 1828 verlor Magnus Otto Ludwig den ihm sehr nahe stehenden Bruder und Kriegskameraden Alexander Wilhelm und am 10. Oktober desselben Jahres (1828) auch seine treusorgende Mutter Gerdrutha Christina v. Freymann.

Schon am 24. August 1819 (corr. am 17. November 1819) hatte Magnus Otto Ludwig für 25000 R. S. von seinem Großonkel (Bruder der Großmutter) Landrat und Landmarschall Carl Gustav v. Samson-Himmelstjerna das Gut Tilsit (Kreis Werro, Kirchspiel Pölwe) pfandrechtlich erworben, das ihm am 13. Oktober 1820 eigentümlich zugeschrieben wurde. Nachdem er am 10. Juni 1833 (corr. am 21. September 1833) Tilsit für 14750 R. S. und 40000 R. Bco dem Kirchspielrichter Gustav v. Roth verpfändet (dem das Gut am 9. Juli 1842 eigentümlich zugeschrieben wurde), erwarb Magnus Otto Ludwig am 11. Januar 1835 (corr. am 12. August 1835) für 30000 R. S. von dem Ordnungsrichter Gotthard Magnus v. Budberg pfandweise, das schon seit 1818 von ihm innegehabt und bewirtschaftet wurde, Gut Sennen (Kreis Werro, Kirchspiel Rauge), das ihm 1837 adjudiziert wurde, verkaufte es jedoch bereits am 4. Juni 1838 für 35000 R. S. dem domittierten Landmarschall Carl v. Liphart, dem Sennen am 30. November eigentümlich zugeschrieben wurde.

Zeitweilig hat Magnus Otto Ludwig auch die Güter Neu-Nursie und Kergel für seine Tante Eva Louise v. Freymann (Nr. 64) vermählte v. Ludwig genannt Briesemann v. Nettig bewirtschaftet. Nachdem Magnus Otto Ludwig v. Freymann vom 20. August 1818 bis zum 26. Mai 1823 das Amt eines Ordnungsrichteradjutanten bekleidet, diente er vom 16. September 1830 bis 1833 dem Lande als Ordnungsrichter des Werroschen Kreisen und wurde am 21. April 1841 zum Kirchspielrichter des VI. Dörptschen Kirchspielgerichts gewählt, welchen Posten er bis zu seinem Tode inne hatte.

In die Zeit seiner kirchspielrichterlichen Tätigkeit fallen die bekannten livländischen Bauernunruhen des Jahres 1841, die - veranlaßt durch zwei aufeinanderfolgende Mißernten - von der griechisch-orthodoxen Geistlichkeit zu Conversionsversuchen im Interesse ihrer Kirche ausgebeutet und aus politischen Gründen zu regelrechten Bauernaufständen angefacht wurden, die unter anderem vorzüglich auch im Werroschen Kreise zum Ausbruch kamen. Nach Unterdrückung der Unruhen wurde Magnus Otto Ludwig für seine hierbei an den Tag gelegte energische und umsichtige Tätigkeit durch Rescript des General Gouverneurs vom 19. Juni 1843 das kaiserliche Wohlwollen eröffnet.

Seiner Zweiten Ehe mit Caroline Helene v. Stackelberg sind folgende Kinder entsprossen:

Von denen die drei ältesten jedoch schon in jugendlichem Alter starben und nur die drei letztgenannten den Vater überleben sollten.


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