89. Robert Magnus Gotthard


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Sohn des Magnus Otto Ludwig v. Freymann (Nr. 69) und dessen Gattin erster Ehe Juliane Dorothea Henriette v. Budberg, geboren 10. November 1817 zu Sennen (Kreis Werro, Kirchspiel Rauge).

Nachdem er die Krümmersche Anstalt in Werro besucht, wandte er sich der Landwirtschaft zu. Bereits 1838 gab ihm der Vater das Gut Alt-Nursie unter überaus günstigen Bedingungen zur Arrende und zog sich mit seiner Familie nach Quellenhof zurück. Da seine auf diesen Sohn gesetzten Hoffnungen immer wieder fehlschlugen und dieser nicht nur die Arrendezahlungen teilweise oder ganz schuldig blieb, sondern auch das geliebte Gut und seine Bauernschaft gänzlich herunterbrachte, zudem selbst dabei in Schulden geriet, sah der Vater sich nach schwerem inneren Kampfe genötigt, das Gut seinem Sohne Robert Otto Magnus Gotthard 1844 wieder ab- und in eigene Verwaltung zu nehmen.

In der Überzeugung, daß Robert Otto Magnus Gotthard nicht geeignet sei, die Güter der Familie zum Segen zu verwalten, hatte der Vater dann durch Testament vom 14. Februar 1845 und 33 Additamente vom 6. Mai 1845 und 26. August 1846 bestimmt, daß Robert Otto Magnus Gotthard nie in den Naturalbesitz der Güter Alt-Nursie und Quellenhof gelangen dürfe (Additament vom 26. August 1846). Um die Güter dauernd der Familie zu erhalten und die auftretenden Miterben davor zu bewahren, sie zu übermäßig hoch gekauften Antrittspreis übernehmen zu müssen, hatte er für alle Zukunft den Antrittspreis der Güter für Alt-Nursie auf 16000 R. S. und für Quellenhof auf 7000 R. S. angesetzt, im Ganzen auf 23000 R. S. (Additament vom 26. August 1846). Im Additament vom 26. August 1846 hatte er verfügt, daß die Güter

damit sie als alte Familiengüter womöglich auch fernerhin bei der Familie erhalten werden möchten, ... sowohl nun, als auch in Zukunft bei Familienteilungen meiner Nachkommen nie über den von mir in vier Punkten bestimmten Wert taxiert oder verschuldet werden dürfen.

In seinen letzten "an meine geliebten Kinder" gerichteten Abschiedsworten aber heißt es unter anderem:

Meine Verfügungen sind durch die Erfahrung auf die Überlegung gestützt, daß nur auf diese Weise der Wohlstand der Familie gesichert sein kann und ich hoffe mit Zuversicht, daß keiner von Euch sich meinen Anordnungen widersetzen werde; auf daß mein Segen, den ich hiermit in diesen meinen letzten Zeilen Euch erteile, auf Euch ruhe. Sollte aber jedoch wider alles Erwarten, sich einer meinen testamentarischen Verfügungen widersetzen und dieselben umstoßen wollen, so möge Gottes Gericht ihn ereilen.

Robert Magnus Otto Gotthard focht, nachdem der Vater am 10. September 1846 verschieden war, gemeinsam mit seiner Schwester Juliane Gerdrutha Charlotte Henriette vermählte Behaghel v. Adlerskron das Testament an, das dann durch Urteil des Livländischen Hofgerichts vom 21. Juni 1850 für aufgehoben erkannt wurde. Durch Hofgerichtsbescheid vom 28. Oktober 1857 (corr. 8. November 1857) wurden die Güter dann dem Robert Magnus Gotthard, dessen leiblichen Schwester Juliane Gerdrutha Charlotte Henriette vermählte Behaghel v. Adlerskron (Nr. 90), Stiefmutter Caroline Helene v. Stackelberg und den Stiefgeschwistern Anna Dorothea (Nr. 94), Olga Jacobine Helene (Nr. 95), Georg Hermann Joachim v. Freymann (Nr. 96) zu gemeinschaftlichem Eigentum adjudiziert. So mußte der jüngere Bruder, Georg Hermann Joachim, das Gut zu übermäßig hartem Preise antreten, wenn er es nicht, entgegen dem Willen des Vaters, doch dem älteren Bruder Robert Otto Magnus Gotthard zufallen lassen wollte. Mittels schon vorher vereinbarten Familientransakts vom 10. April 1857 (corr. 18. Februar 1858) übernahm er Alt-Nursie für den Preis von 45000 R. S., das heißt zu einem fast um das dreifache höheren Preis, als dem im väterlichen Testament angesetzten, dabei mit der drückenden Verpflichtung, den Stiefgeschwistern ihre Anteile binnen zweier Jahre auszuzahlen. Diese Anteile allein aber betrugen 15000 R. S., das heißt fast den vollen Wert des Gutes nach väterlicher Schätzung. Robert Otto Magnus Gotthard gelang es dann, das Gut Quellenhof, das gemäß Familientransakt vom 29. April 1859 seiner Stiefmutter Caroline Helene v. Stackelberg zugefallen war (corr. 17. August 1859), von letzterer zur Arrende zu erhalten, bis diese sich genötigt sah, um das ursprüngliche Verhältnis zu lösen, am 8. April 1861 (corr. 31. Mai 1861) auch dieses Gut zu verkaufen.

Nachdem Robert Otto Magnus Gotthard es dann noch mit verschiedenen Landstücken und Unternehmungen versucht hatte, starb er am 26. Januar 1880 zu Dorpat.

Im Landesdienste ist er als Ordnungsrichter und als Kirchspielrichter tätig gewesen.

Am 9. Dezember 1838 hatte er sich mit Juliane Elisabeth v. Maydell vermählt, geboren am 9. November 1817. Nach kinderloser Ehe starb sie am 25. April 1856 und wurde auf dem Werroschen Kirchhofe zur Ruhe bestattet. In zweiter Ehe heiratete Robert Otto Magnus Gotthard am 20. Februar 1859 in Dorpat Marie Constance v. Lesedon, Tochter des Generals Alexander Frommhold v. Lesedon auf Arknal (Estland) und der Constance v. Tiesenhausen. Sie starb in Riga am 12. Juni 1915. Aus dieser Ehe sind folgende Kinder entsprossen:


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