95. Olga Jacobine Caroline


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Tochter des Magnus Otto Ludwig v. Freymann (Nr. 69) und seiner Gattin zweiter Ehe Caroline Helene v. Stackelberg, geboren am 26. November 1831 auf Sennen.

Sie wurde gemeinsam mit der nur wenig älteren Schwester Anna Dorothea (Nr. 94) erzogen, mit der sie eine unbetrübte Jugend auf den väterlichen Gütern Alt-Nursie, Sennen und dann Quellenhof verlebte. Nach dem Verkauf auch dieses letzten Gutes zog sie mit ihrer Schwester Anna Dorothea und ihrer Mutter Caroline Helene v. Stackelberg nach Dorpat, wo letztere an der damals noch wenig belebten Mühlenstraße einen großen Grundplatz (Dornengrundplatz 48) mit schöner Aussicht auf Domgraben und Ruine erworben und mit Wohnhaus, Stall und Nebengebäuden bebaut hatte. 1864 bereiste sie mit ihrer Schwester Anna Dorothea Deutschland und besuchte den hier studierenden geliebten Bruder Georg Hermann Joachim (Nr. 96), mit dem die Schwestern dann genußreiche Touren unternahmen.

Am 18. Oktober 1885 erlitten die Schwestern einen schweren Schlag durch den Tod des ihnen sehr nahe stehenden Bruders Georg Hermann Joachim, dem dann am 28. September 1886 die geliebte Mutter Caroline Helene v. Stackelberg folgte. Nach dem Tode der Mutter ging das Haus in Dorpat auf Olga Jacobine Caroline und ihre Schwester Anna Dorothea über. Als diese sich bei zunehmenden Alter nicht mehr im Stande sahen, das Haus mit dem ausgedehnten Zier- und Obstgarten zu verwalten, entschlossen sie sich 1898 zum Verkauf desselben, um gemeinsam eine Mietwohnung zu beziehen.

Am 4. April 1904 verlor Olga Jacobine Caroline ihre Schwester und treue Lebensgefährtin Anna Dorothea durch den Tod.

Obwohl in engster Liebe mit Neffen und Nichten (den Kindern des verstorbenen Bruders Georg Hermann Joachim) verbunden, mit denen sie Freude und Leid teilte, wurde ihr Lebensabend nach dem Tode der Schwester doch einsam, noch erschwert durch ein sich entwickelndes Augenleiden, das allmählich zu fast voller Erblindung führte.

In schwerer Sorge um das Schicksal Livlands und ihrer Lieben hat sie die Revolution 1905 einsam in Dorpat erlebt, in Hoffnung auf den Sieg Deutschlands und die Errettung Livlands die Ereignisse des Weltkrieges von ihrer Stube aus verfolgt und mit Jubel die deutschen Truppen als Befreier begrüßt, um dann noch den Zusammenbruch des Deutschen Reiches und den Untergang der Heimat zu sehen und die ganze Sorge um das Schicksal ihrer geliebten Neffen und Nichten (Nr. 142) bis (Nr. 147) und ihrer Großnichte Gerdrutha Christina (Gerda) ihres Patenkindes zu empfinden.

Am 13. August 1919 ist sie 87 Jahre alt ihrem Erdenleben in Leiden durch den Tod erlöst worden. Auf dem v. Freymannschen Erbbegräbnis auf dem alten Dorpater Kirchhof ist ihr Leib zur Ruhe bestattet worden.

Vor äußerster materieller Not ist sie gütig bewahrt geblieben, die bei längerem Leben auch auf sie in ihrem Alter hätte hereinbrechen müssen, nachdem die Kapitalien durch das estnische Umrechnungsgesetz, die Existenzen ihrer Neffen und Nichten aber auch durch die politischen und nationalen Umwälzungen in Livland vernichtet waren.


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