96. Georg Hermann Joachim


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Sohn des Magnus Otto Ludwig v. Freymann (Nr. 69) und dessen Gattin zweiter Ehe Caroline Helene v. Stackelberg, geboren am 12. Oktober 1835 auf dem väterlichen Gute Sennen.




Georg Hermann Joachim (Nr. 96)

Er besuchte die Kruemmersche Anstalt in Werro, die damals jedoch nicht mehr auf der Höhe stand, wurde dann einige Jahre im Hause seines Vormunds, des Landrats Wilhelm v. Stryk, auf dem Gute Brinckenhof von dem dortigen Hauslehrer und nachmaligen Oberleher in Dorpat Johannes Specht unterrichtet und trat zum Schlusse wieder in die Werrosche Knabenanstalt ein, die aus Kruemmens Händen an Hermann Hörschelmann übergegangen war und wieder bessere Lehrerschaft hatte. Nach Absolvierung des Abiturientenexamens bezog Hermann Georg Joachim 1856 die Landesuniversität Dorpat, dann die Universität Würzburg, sich chemischen, juristischen, historischen und landwirtschaftlichen Studien widmend (1860-1864).

Nachdem er in Deutschland die Landwirtschaft auch praktisch erlernt hatte, erwarb er durch Vermittlung seines Stiefbruders Robert Otto Magnus Gotthard v. Freymann (Nr. 89) mittels am 28. Oktober 1864 abgeschlossenen Vorkontraktes vom Ordensrichter Robert v. Engelhardt das Gut Langensee (Kr. Dorpat, Kirchspiel Bartholomäi, Beigut v. Kessel) für 20000 R. S. und vermählte sich am 6/18 März 1865 zu Dresden mit Caroline Louise (Lilly) v. Lobry, geb. am 11. Februar 1834 als Tochter des Obersten Carl Friedrich v. Lobry und seiner Gattin Leopoldine Theodaria Jacobine Bonaventura v. Lysander.

Im Frühling 1865 kehrte er nach Livland zurück und ließ sich auf dem neuerworbenen Gute nieder. Auch seine Schwiegermutter Leopoldine v. Lobry geb. v. Lysander begleitete ihn dorthin, um noch ihren Lebensabend bei der geliebten Tochter und dem Schwiegersohne, mit dem sie ein besonders nettes Verhältnis verband, zu verbringen.

Die alten Stammgüter der Familie, Alt-Nursie und Quellenhof, waren während der Studienjahres Georg Hermann Joachims in fremde Hände übergegangen. Zwar hatte sein Vater, Magnus Otto Ludwig v. Freymann, im Bestreben, die geliebten Güter dauernd der Familie zu erhalten und in richtiger Erkenntnis der Eigenschaften seines Sohnes erster Ehe Robert Magnus Gotthard (Nr. 89) diesen nicht nur vom Naturalbesitz der beiden Güter ausgeschlossen, sondern auch den Antrittspreis für sie normiert, um den antretenden Miterben vor übermäßig hoher Schätzung der Güter zu schützen und ihm ihren dauerhaften Besitz zu ermöglichen. Robert Magnus Otto Gotthard jedoch hatte mit seiner leiblichen Schwester Juliane Gerdrutha Henriette Charlotte verm. Behaghel v. Adlerkron das Testament angefochten, das dann dem Urteil des Livländischen Hofgerichtes vom 21. Juni 1850 folgend für aufgehoben erklärt worden war, worauf die Güter durch Hofgerichtsbescheid vom 28. Oktober 1857 den Miterben als Eigentum adjudiziert wurden.

Um Alt-Nursie nicht gegen den Willen des verstorbenen Vaters doch an Robert Magnus Gotthard fallen zu lassen, war Georg Hermann Joachim genötigt gewesen, noch als Student das Gut für den übermäßig hoch geschätzten Preis von 45000 R. S. durch Familientransact vom 10. April 1857 zu übernehmen.

So war Georg Hermann Joachim denn bei jeglichem Mangel an Betriebskapital genötigt gewesen, um den übernommenen Verpflichtungen nachzukommen, am 22. April 1860 noch als Student das Gut an den dim. Justizsekretären Friedrich v. Schleyer zu verkaufen (weiteres dazu bei Nr. 89).

So ließ sich Georg Hermann Joachim dann 1865 auf dem neuerworbenen Gute Langensee nieder, sich mit Lust und Eifer der Landwirtschaft widmend. Nachdem er Wohnhaus und Nebengebäude auf- bzw. umgebaut und sein Vermögen an Meliorationen gewonnen hatte, mußte er jedoch einsehen, daß der durch den Stiefbruder Robert Magnus Otto Gotthard vermittelte Kauf für ihn ein allzu ungünstiger gewesen ist. Um nicht ganz erdrückt zu werden, faßte er den schweren Entschluß, durch Vertrag vom 7. Februar 1867 den ruinösen Vorvertrag zu lösen und das Gut - unter Verlust des darauf gezahlten Handgeldes und der darauf verwendeten Meliorationskosten - dem Verkäufer, dem Ordnungsrichter Robert v. Engelhardt auf Kessel, wieder abzutreten.

Hermann Georg Joachim, dem am 1. Dezember 1866 seine erste Tochter, Olga Ida Helene (Nr. 142) geboren ward, siedelte hierauf mit seiner Familie nach Dorpat über, wo er vorläufig an der Districtsdirection der Livländischen Adligen Gütercreditsocietät (für den estnischen Teil Livlands) und gleichzeitig am Landgericht abscultierte und dann im April 1869 zum Assessor des Dorpatschen Landgerichts gewählt wurde. Am 18. Juli 1868 wurde ihm in Dorapt sein erster Sohn, Friedrich Otto Gerhard (Nr. 143) geboren.

Nachdem Hermann Georg Joachim dann am 12. März 1870 zum Kirchspielrichter des III. Kirchspielgerichts Pernauschen Kreises erwählt worden war, verließen sie Dorpat, um auf dem in seinem Gerichtsbezirk gelegenen Gute Abia (Kreis Pernau, Kirchspiel Hallist), dann auf Alt-Bornhusen (Kreis Pernau, Kirchspiel Hallist) seinen Wohnsitz zu nehmen. In Abia wurde ihm am 31. Dezember 1870 sein zweiter Sohn Georg ("Gory") Magnus Sylvester (Nr. 144), auf Alt-Bornhusen am 18. Januar 1873 seine Tochter Elisabeth ("Else") Anna Ida (Nr. 145) geboren.

Als Hermann Georg Joachim am 13. April 1874 zum Geschäftsleiter des Livländischen gegenseitigen Feuerassekuranzvereins erwählt wurde, glaubte er diese Position annehmen zu müssen, um seinen Kindern in Dorpat eine gute Schule geben zu können, ohne sich von ihnen zu trennen. In Dorpat nahm er dann Anfangs in der Schmalstraße (im Schlüsselbergschen Hause) Wohnung, wo am 10. Januar 1875 sein Sohn Rudolph Peter (Nr. 146) das Licht der Welt erblickte. 1875 erwarb seine Gattin Caroline Louise ("Lilly") v. Lobry vom General Majoren Woldemar v. Brackel das im II. Dörptschen Stadtteil stehende Haus Nr. 29a an der Ecke der Herren- und der Teichstraße, wo die Familie seit dem dauernd wohnte.

Am 18. Juli 1875 wurde Hermann Georg Joachim zum Archivar des Dorpat-Werroschen Landgerichts gewählt und bekleidete diesen Posten, so lange seine stets wachsende Arbeit bei der Feuerassekuranz ihm Zeit hierzu ließ, im Nebenamt.

Am 2. Mai 1877 verschied in seinem Hause seine Schwiegermutter Leopoldine v. Lobry geb. v. Lysander an einer Lungenentzündung, von der Tochter und dem Schwiegersohne, mit denen sie in treuer Liebe Freud und Leid getragen, tief betrauert, und beweint von ihren Großkindern, die mit Liebe an ihr hingen. Ihr Leichnam wurde auf dem v. Freymannschen Familienbegräbnis auf dem alten Dörptschen Kirchhof bestattet.

Am 16. Juli 1878 wurde Hermann Georg Joachim sein jüngster Sohn, Carl Johann (Nr. 147) geboren.

Am 18. Oktober 1885 erlag Hermann Georg Joachim in Dorpat einem Lungenleiden, gegen das er vergeblich in den Heilanstalten von Görbersdorf, Meran und Falkenstein Heilung gesucht hatte. Auf dem Familienbegräbnis wurde er zur Ruhe bestattet.




Caroline Louise, geb. v. Lobry (siehe Nr. 96)

Seine Witwe Caroline Louise v. Lobry behielt ihre Wohnung in Dorpat bei, trotz zunehmender Kränklichkeit sich mit größter Hingebung und Sorgfalt der Erziehung ihrer unmündigen Kinder widmend, mit Rat und auch mit Tat hierin von ihrem langjährigem Freunde und Vetter Friedrich v. Stryk auf Mossel unterstützt.

Nach vollendeter Erziehung der Kinder zog Caroline Louise v. Lobry 1897 nach Mitau, wo sie am 20. Mai 1903 einem Krebsleiden erlag. Ihr Leichnam wurde auf dem dortigen Kirchhof beigesetzt.

Aus dieser Ehe sind folgende Kinder entsprossen




Kinderfrau mit Helene Olga Ida (Nr. 142) und Friedrich Otto Gerhard (Nr. 143)


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