Zur Entstehung der Arbeit

Als mit dem Beginn des Krieges 1914 die Hetze gegen alles Deutsche in den Ostseeprovinzen einsetzte und wir auf das Schlimmste gefaßt sein mußten, entschloß ich mich, die verbliebene Zeit zu nutzen, das mir teils überkommene, teils von mir zusammengebrachte ziemlich umfangreiche familiengeschichtliche Material zu bearbeiten, um es meiner damals noch kleinen Tochter und etwaigen sonstigen Interessenten für die Zukunft zugänglich zu machen.

Noch im selben Jahre 1918 konnte ich die Arbeit, die ich "Notizen zu einer Geschichte des Geschlechts derer v. Freymann" nannte, beenden. Beim Zusammenbruch Deutschlands und Rückziehung der deutschen Truppen hinterlegte ich die Arbeit nebst den wichtigsten Familienpapieren bei der "Dorpater Bank" Felliner Filiale, die unmittelbar darauf nach Riga evakuiert wurde. In Folge schnellen Vorrückens der bolschewistischen Banden war die Bank bei ihrem fluchtartigen Aufbruch nach Deutschland nicht mehr in der Lage, die hinterlegten Papiere und die Arbeit mitzunehmen. Da sie sich trotz eifriger Nachforschungen nicht fanden, so mußte ich sie bereits verloren geben, als im April 1921 die Familienpapiere und im März 1926 auch meine Arbeit ganz unerwartet unter fremden Papieren in Riga entdeckt und mir wieder zugestellt wurden. Die Familiendokumente wurden unter den Sachen meines gemordeten Vetters Hermann v. Freymann auf Nurmis durch R. A. Lothar Schoeler gefunden. Letzter schreibt mir am 24. April 1921 darüber:

Neulich, als ich nach Resten des Safes Deines ermordeten Vetters Hermann suchte, stieß ich auf eine neue Spur, die ich trotz der Behauptung der Bank, sie hätte nichts von Dir, weiter verfolgte und die mich auch glücklich in den Besitz einer Pappmappe mit folgendem Inhalt brachte:

...

Die Bolschewiken hatten nämlich alle in ihren Augen wertlosen Papiere soweit sie sie nicht zum Einpacken der Silbersachen brauchten, zur Seite geschleudert. Da waren sie von den Bankbeamten aufgehoben und nach den äußerlichen Merkmalen den verschiedenen Safes zugeteilt worden ...

Meine Arbeit wurde von R. A. Harry v. Bruemmer gefunden und durch meinen Vetter, Senator Rudolf v. Freymann, mir zugeleitet. Letzter schreibt am 3. März 1926:

Ich glaube, es wird Sie interessieren zu erfahren, daß die von Ihnen verfaßten und, soweit mir mitgeteilt worden ist, verloren geglaubten "Notizen zu einer Geschichte des Geschlechts derer v. Freymann" in meine Hände gekommen sind, allerdings in scheinbar unvollständigem Umfange. Kürzlich teilte mir nämlich der Rechtsanwalt Harry v. Bruemmer mit, er habe Ihre Arbeit bei Durchsicht gräflich Medemscher Dokumente in der hiesigen Kreditbank gefunden, wo sie aufbewahrt wurde, aber, seiner Meinung nach, von den Bolschewiken durchstöbert und in Unordnung gebracht worden ist. Er schickte mir darauf, auf meine Bitte, seinen Fund zu. Nachdem ich die losen Blätter geordnet hatte erwies sich, daß folgendes vorhanden ist: Der Anfang, mit Nebenschrift und Einleitung, von Seite 1-11, dann von Seite 13-282 und von Seite 439-444, d.h. scheinbar bis zum Schluß des Textes, sowie das vollständige Personenregister und ebenso das Ortsregister. Es fehlt also scheinbar Seite 12 und von 283-438. Schön, daß wenigstens ein Teil Ihrer verdienstvollen Arbeit gerettet ist, aber jammerschade, daß es nicht alles ist! ...

Nachdem mein Vetter Rudolf v. Freymann dann - um die Arbeit vor dem Untergang zu studieren - von ihr mit meiner Zustimmung Abschrift genommen, stellte er sie mir im Herbst 1926 wieder zu. Als es sich erwies, daß größere Partien meiner Arbeit in Verlust geraten, zudem aber auch an den verbliebenen Teilen wichtige Ergänzungen und Zurechtstellungen vorzunehmen waren, entschloß ich mich zu einer Umarbeitung der ganzen Familiengeschichte, um sie meiner Tochter als möglichst einheitliche und vollständige Arbeit dereinst übergeben zu können. Ihr ist daher auch diese Neubearbeitung gewidmet. Berlin, im Dezember 1927
Georg v. Freymann


* Inhaltsverzeichnis * Namensverzeichnis * Ortsverzeichnis * Seitenanfang * Titelseite * Anregungen *